Montag, 3. August 2015

Was Hund (nicht unbedingt) braucht...

Was macht man als liebender Hundebesitzer an einem trüben Sommertag? Man surft im Netz und auch wenn man nicht auf der Suche ist, findet man doch immer relativ bis völlig sinnfreie Dinge für den Vierbeiner. Es sind die kleinen Dinge, die meist vollkommen unnötig sind, die dem Vierbeiner kein Quäntchen mehr an Zufriedenheit bieten, die für ein glückliches Hundeleben absolut unnötig sind. Und doch landen genau diese Dinge mit einer nahezu beängstigenden Konstanz in meinem virtuellen Einkaufskorb.


Beispiele gefällig?

Ein besonderes, nahezu lebensnotwendiges Gimmick für den trendbewussten Hundehalter sind die sogenannten Gassibeutel-Spender. Heutzutage gibt es sie in allen Farben, allen Größen und in nahezu jeder erdenklichen Form. Auch Mimi ist stolze Besitzerin eines Gassibeutel-Spenders. Ein entzückendes Ding in Knochenform in stylischem Neon-Orange. Perfekt passend zu dem orangen Geschirr, dem orangen Halsband und ein hervorragender farblicher Akzent zur Fellfarbe. Natürlich darf für den "Hund von Welt" auch die passende Befüllung nicht fehlen. Also finden auch bunte Gassibeutel ihren Weg in meinen Einkaufskorb. Man will ja seine Hinterlassenschaften nicht in irgendein Plastiksackerl packen. Nicht auszudenken, was der Golden Retriever von nebenan denken würde, wenn wir ein schnödes Gratissackerl nutzen würden. Nach anfänglicher Euphorie nervt das Ding beim Spazierengehen ungemein. Egal, wohin man es an der Leine befestigt, der Spender schaukelt und wackelt bei jeder Bewegung und was zuerst total hinreißend und entzückend ist, wird rasch zur Nervenprobe. Letztlich landet das Ding in der Hundeschublade und da wartet es noch heute auf seinen nächsten Einsatz.

Eine weitere Errungenschaft ist ein roter Kong. Zum ersten Mal sah ich das "Wunderding" bei einer Folge des "Hundeprofis" Martin Rütter. Ein hervorragendes Instrument, um den Hund zu beschäftigen. Und nachdem ich mir online einen Überblick über sämtliche Kong-Videos gemacht habe, ist klar: Mimi braucht unbedingt einen Kong. Wie konnten wir bisher ohne das Ding leben? Wie habe ich bisher bloß meinen Hund beschäftigt? Das Plastikteil scheint auf den ersten, zweiten und dritten Blick dringend nötig zu sein, um einen glücklichen Hund zu haben. Also wird's in den Einkaufwagen gepackt. Auch hier ist die Begeisterung groß! Doch nach einiger Zeit liegt der Kong ständig im Weg herum. Dazu kommt, dass Mimi das schwere Ding wild in die Luft wirft, um es auf den Boden knallen zu hören. Mit lauten "Bong" schlägt der Kong immer wieder auf und irgendwann wird mir das zu viel. Der Kong findet im Gassibeutel-Spender einen Leidensgenossen in unserer Hundeschublade.


Und das ist noch nicht alles...

Wir haben sage und schreibe drei (!!!) Hundebetten zu Hause - der Vierbeiner soll sich ja aussuchen können, wo er nächtigen möchte. Das Makabere an der Geschichte: Am liebsten schläft Mimi auf dem Teppich. Auch Hundenäpfe haben wir in rauen Mengen vorrätig: ein hübscher Melamin-Fressnapf in knalligem Rot mit lustigem Spruch, Edelstahlnäpfe im puristischen Design, ein weiterer Melamin-Fressnapf im Vogeldesign (macht ja Sinn, Vögel auf den Hundenapf zu verewigen). Die Edelstahlnäpfe nutzen meine Mönchssittiche zum Baden, Mimi frisst ihr Futter am liebsten aus einer einfachen, billigen Ikea-Schüssel. Vier Hundegeschirre in unterschiedlichen Farben und Ausstattungen, zahlreiche Halsbänder (teilweise gekauft, teilweise selbst genäht oder gebastelt), drei - nein, es sind sogar vier! - Leinen in unterschiedlichen Längen,... Langsam wird mir bewusst, warum der Markt für Hundezubehör einer der profitabelsten ist. Und ich bin dankbarer, unreflektierter Abnehmer...

Und weil es ein trüber Sommertag ist, findet wieder ein unnützes Gimmick den Weg in meinen virtuellen Einkaufskorb. Diesmal ist es eine Hundemarke. Ich stelle gleich klar: Das ist nicht Mimis erste und einzige Hundemarke. Einerseits haben wir die Hundemarke unserer Gemeinde, die deutlich macht, dass wir brav unsere Steuern zahlen. Eine hässliche, unförmige, große Metallscheibe, die absolut in keinster Weise die Bedürfnisse des modernen Hundehalters befriedigt. Von den Plomben, die wir außerdem in großen Mengen angeschafft haben, ist heute keine mehr übrig. Mimi ist es bisher immer wieder gelungen, die kleinen Dinger zu verlieren. Die erste, als sie Nachbars Katze jagen musste - entlang des Zauns, über das Feld ging es im schnellen Galopp und dabei geht so ein Plömbchen schon mal verloren. Macht ja nichts, die nächste Plombe wird mit dem Kontaktzettel befüllt. Und auch die geht in kürzester Zeit - diesmal bei der Hetz durch den angrenzenden Hühnerstall - auf nimmer Wiedersehen verloren. So kaufen und verlieren wir in kürzester Zeit unzählige Plomben und irgendwann habe ich keine Lust mehr, Kontaktzettel auf Vorrat auszufüllen.


Schütz deinen besten Freund!

Dann springt mir eine Anzeige ins Auge und ich lasse mich wieder verführen. proftag.de wirbt mit exklusiven Hundemarken, Hundeplaketten und Adress-anhängern. "Schütz deinen besten Freund!" sagt die Homepage. Genau, was wir zum großen Glück brauchen! Eine runde Hundemarke mit Pfote ist es diesmal. Highlight: Auf der Rückseite kann ich Name und Telefonnummer gravieren lassen. Heureka! Da sich die Kosten in Grenzen halten, klicke ich mich durch den Online-Designer, wähle was mir gefällt und ... muss dann doch kurz innehalten. Beim Bezahlvorgang treffe ich auf einen Button, der mich auffordert zu "vählen". Grusel! Wo bin ich denn da gelandet? Ein Blick auf die URL - doch ich bin auf einer scheinbar deutschen Seite. Sehr, sehr eigenartig. Meine Paranoia geht kurz mit mir durch, aber weil ich die Hundemarke unbedingt zum Leben benötige, überwinde ich meine Zweifel und bestelle. Sekunden später bekomme ich per eMail eine Bestellbestätigung, am nächsten Tag erhalte ich die Versandbestätigung. Das Positive: Alle Versprechungen, die auf der Homepage vollmundig gemacht werden, scheinen eingelöst zu werden. Der Preis versteht sich wirklich inklusive Versand. Eine Wohltat, das zu lesen, da ich gewohnt bin, mit Versandkosten von mehr als 10 Euro aus der deutschen Nachbarschaft zu rechnen. Mein Blick fällt auf die Firmensignatur und lässt mich schlucken. Huch? Die Homepage ist nur scheinbar in Deutschland angesiedelt. Angefertigt in und versendet aus Dänemark. Okay, das erklärt zumindest die eigenartige Schreibweise des Wörtchens "vählen". Aber warum sollte ein dänischer Hersteller vorgeben, in Deutschland seine Niederlassung zu haben? Ist das einfach nur ein Marketingtrick, um Vertrauen herzustellen? In die gute, deutsche Handarbeit? Oder bin ich denen anständig auf den Leim gegangen?

Nun heißt es abwarten. Ich bin wirklich gespannt, wie lange die Zustellung von Dänemark dauern wird und wie die Hundemarke ausgeführt sein wird. Im schlimmsten Fall ist es ein weiteres nutzloses Teilchen, dass sich seinen Platz mit Kong und Co. in der Hundeschublade teilen muss...

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