Montag, 27. Juli 2015

Puzzleteilchen

Vor einiger Zeit habe ich mich in einem sentimentalen Moment auf die Suche nach Mimis Vergangenheit gemacht (mehr dazu gibt's hier) und dabei den beiden neuen Frauchen der Hundebrüder Filou und Bogie jeweils eine Nachricht zukommen lassen. Und - Überraschung! - die Damen haben auf meine Kontaktaufnahme sehr freundlich reagiert. 


Kismet, Glück oder einfach nur Zufall?

Filou heute
Im Schriftverkehr mit Filous Familie stellt sich heraus, dass meine Hundedame beinahe zur Tirolerin geworden wäre. Tatsächlich stand die Idee im Raum, nicht nur den Hundebub sondern auch Mimi mitzunehmen und ihr ein gutes Zuhause zu bieten. 

"Sie hat uns so leid getan, denn sie wollte so gerne mit uns mit." schreibt mir Filous Frauchen. Ob das wohl Schicksal war? Für mich auf jeden Fall, denn Mimi ist zu in einer Zeit in mein Leben getreten, wo ich sie wirklich dringend gebraucht habe (und es gar nicht wusste!). Einerlei, ob es Kismet oder Zufall war - auf jeden Fall war es großes Glück; für mich und - wie ich hoffe - auch für Mimi. Während Mimi also noch in eine ungewisse Zukunft blicken musste, durfte sich der süße Junghund auf in seine neue, bergige Heimat machen. 


"Terrieristen" - die turbulente Zeit in der Pflegestation

Filous Familie bestätigt mir, was auch schon die Pflegemama von Mimi angedeutet hatte: die drei Junghunde hatten es faustdick hinter den niedlichen Ohren, Filou genoss sogar den zweifelhaften Ruf als Anführer der kleinen Geschwistergruppe. Die "Terrieristen"-Warnung vor dem unbelehrbaren, unfolgsamen, jagdtriebgesteuerten Potpourri-Terrier ;) wurde auch mir auf den Weg gegeben, als ich Mimi in der Steiermark abgeholt hatte. Die Damen von AC Austria waren ja durchwegs skeptisch, ob das mit uns klappen würde. Da bei mir auch zwei Mönchssittiche Zuflucht gefunden haben, hatten die Damen große Zweifel, ob ein so jagdbegeisterter Hund wie Mimi mit den gefiederten Kollegen zurecht kommen würde.


Ein Abenteurer mit großem Herzen

Filou lebt heute in Tirol das aufregende Leben eines Abenteurers. Er fährt leidenschaftlich gerne mit dem Cabrio und sieht dabei wie ein kleiner Casanova aus. Wie Mimi scheint er ein großes Herz zu haben. Sein neues Frauchen berichtet mir von einem kleinen Pflege-Wildmäuschen namens Feivel, das er - trotz Jagdinstinkts - in seinem Rudel akzeptiert hat. An dieser Stelle sei gesagt, dass Filous Frauchen mir glaubhaft versichert hat, dass der Hundemann unter strengster Kontrolle und mit Vorsicht in die Pflege des Findelkindes einbezogen wurde. 

Cabrios sind seine Leidenschaft!


Happy Endings <3

Beim Betrachten der entzückenden Fotos von Filou wird deutlich, dass die Familienzusammengehörigkeit nicht zu verleugnen ist. Zwar ist das Fell des Hundeherrn deutlich lockiger als das von Mimi, aber vieles ist sehr ähnlich: wie er die Ohren anlegt, wie er fröhlich in die Kamera hechelt,... Und auch im Verhalten werden rasch Gemeinsamkeiten erkennbar. Beide Hunde sind sehr anhänglich, sehr freundlich und vor allem unentbehrlich. Wie Mimi hat ihr Brüderchen eine Familie gefunden, die ihn von ganzem Herzen liebt. Die drei Potpourri-Terrier haben es augenscheinlich sehr gut getroffen - eine, nein eigentlich drei echte Erfolgsstories, die beweisen, wie wertvoll es sein kann, einem Hund aus dem Tierschutz ein Zuhause zu schenken. 

Feivel und Filou
Strandurlaub









Montag, 20. Juli 2015

Hunde verboten!

Eigentlich sollte es eine wundervolles erstes Mal werden... Meine kleine Hundedame hatte bisher noch nie die Möglichkeit, richtig zu schwimmen. Bisherige Erfahrungen mit dem kühlen Nass: Kneippen! Auf unserer Lieblingsroute durch den Teufelsgraben wurde Mimi in den letzten Tagen immer mutiger, das eiskalte Wasser des kleinen Bachlaufs ging ihr sogar bis zum Bauch. Und als es heute Stunde für Stunde immer heißer wurde, war rasch klar: Heute gehen wir baden. Es wird wirklich Zeit, dem kleinen Potpourri-Terrier die Angst vor dem Wasser zu nehmen!


Internetrecherche

Voller Enthusiasmus wird die Badetasche für Mensch und Hund gepackt: Badetücher, Wasservorräte, Hundekekse und eine Kamera, um unsere Schwimmfortschritte zu dokumentieren. Zwei kleinere Seen in unserer direkten Umgebung scheinen sich für unsere ersten Schwimmübungen bestens zu eigen: der Forstsee und der Saissersee. Nachdem ich an den Forstsee einige - meine unbefleckte Seele ins Tiefste - erschütternde Erinnerungen habe, fällt meine Wahl augenblicklich auf den Saissersee.

Ein Blick ins Internet zeigt: Der Saissersee ist der perfekte Ort für Klein-Mimi und mich! Auf zahlreichen Homepages wie www.hunde-urlaub.net, www.fressnapf.at und www.polar-chat.de wird der kleine See als hundefreundlicher Ort beworben, auf www.planethund.com heißt es sogar wörtlich: "Am Saissersee dürfen sich Hunde im See abkühlen und spielen".


Idyllische Oase

Der Saissersee ist mir aus meiner Jugend noch sehr gut in Erinnerung. Der ca. 13 Hektar kleine See liegt in einer moorigen Senke und ist für seine wohltuende Wirkung für Haut und Haare bekannt und beliebt. Also nicht nur der ideale Ort, um dem Hund das Schwimmen zu lernen, sondern auch eine Wellness-Packung für mich.

Der Saissersee - auch als Jeserzer See bekannt - ist ein
wunderbares Beispiel für absolute Naturidylle.
Fotonachweis: Wikipedia

Das Ufer ist durchwegs unverbaut und bietet den Erholungsuchenden viele kleine Buchten. In Kauf nehmen muss man den leicht feuchten Untergrund - ohne entsprechende Auflage sind hässliche Flecken auf den Badetüchern vorprogrammiert.


Herzliches Willkommen und böser Abschied

Am Parkplatz angekommen werden Mimi und ich sehr freundlich von drei Badegästen begrüßt. Man kommt ins Schwatzen, es werden Nettigkeiten ausgetauscht und Mimi werden die besten Wünsche für ein erstes, erfolgreiches Bad mitgegeben. Fröhlich hüpfen wir den kleinen Trampelpfad entlang Richtung Holzsteg. Da angekommen werfe ich ein freundliches "Grüß Gott!" in die Runde, ernte aber nur aufmerksame, neugierige Blicke der anwesenden Badegäste. Gut, grüßen ist ja nicht jedermanns Sache, also suchen wir uns einen Platz etwas abseits, um niemanden zu stören. Rasch ist die Badetasche ausgepackt, ich habe mich aus dem Kleid geschält und bin freudig aufgeregt: Wird Mimi diesmal mit mir schwimmen?

Meine kleine Hundedame folgt mir auf den Fuß, als ich zum Ufer stakse. Hochkonzentriert gehe ich langsam, Schritt für Schritt, ins lauwarme Wasser. Einfach herrlich! Behutsam führe ich Mimi näher ans Wasser und - Tusch! - mit einiger Unterstützung macht die Kleine ihre ersten Schwimmbewegungen. Damit ist unser Badeausflug dann zu Ende... Aber nicht, weil wir keine Lust auf den nächsten Schritt - das gemeinsame Hinausschwimmen - hatten, sondern weil ein älteres Ehepaar uns darauf aufmerksam macht, dass Hunde hier nicht erlaubt sind. Nach zunächst noch höflichem Geplänkel werde ich auf eine Verbotstafel aufmerksam gemacht. Wenn die Situation nicht so angespannt wäre, würde ich jetzt in lautes Lachen ausbrechen. Ein garstiger, alter Metalldeckel mit der handschriftlichen Notiz, dass Hunde nicht baden dürfen, wurde ins Geäst eines morschen Baumes gepinnt. Ich schwöre euch: dieses Verbotsschild ist mir wirklich nicht aufgefallen.


Als ich mir noch überlege, wie ich mich nun verhalten soll, kommen immer mehr Badegäste näher und tun ihren Unmut kund. Zunächst noch freundlich ("Wir haben selber einen Hund, wir verstehen das"), wird rasch ein rüder Ton angeschlagen ("Packen Sie Ihren Gantsch und verschwinden Sie!"). Ich habe es diplomatisch versucht, ich habe es informierend versucht, ich habe es freundlich-bestimmt versucht... Letztlich klingt unser erster Badeausflug hässlich aus. Der wütende Mob verweist mich des Geländes und weil ich keine Lust auf eine böse Szene habe, packe ich meine Siebensachen und ziehe wieder von dannen.


Und die Moral von der Geschicht'?

Ganz ehrlich? Ich bin schrecklich enttäuscht. Von der Art und Weise, wie die Badegäste mich und Mimi behandelt haben. Ich hätte wahrscheinlich ein gewisses Maß an Verständnis, wenn Mimi sich daneben benommen hätte, aber sie war die personifizierte Höflich- und Folgsamkeit. Enttäuscht bin ich auch von den Informationen im Internet. Da der "Verbotsdeckel" wohl schon länger an dem Baum hängt, scheinen Hunde am Saisser See wirklich nicht willkommen zu sein. Vielleicht habe ich auch zu schnell die Segel gestrichen? Aber im Ernst: wenn frau und hund am späten Montagnachmittag der Hitze durch einen Sprung ins kühle Nass entkommen wollen, dann ist da einfach kein Platz für Aggression, Streitigkeiten und Hass.

Sonntag, 19. Juli 2015

Ahnenforschung

Mir ist so nostalgisch ums Herz. Bald ist er wieder da, unser "Willkommenstag" - jener Tag, an dem ich Mimi zu mir geholt habe und die kleine Hundedame mein Leben unfassbar bereichert hat. Zum zweiten Mal jährt sich dieses Jubiläum nun und weil ich mir die vielen wundervollen Momente in Erinnerung rufen will, durchwühle ich zurzeit mein Fotoarchiv. Dabei fällt mir auch das Adoptionsinserat und das dazu gehörende Video in die Hände.


Viel ist es nicht, was ich von Mimis Vorgeschichte weiß. Sie wurde von ungarischen Tierschützer auf dem Land gefunden - offenbar mit ihren beiden Brüdern ausgesetzt. Als ich Mimi zum ersten Mal in meine Arme geschlossen habe, waren die zwei Hundebrüder Rupert und Bogart bereits vergeben und hatten ihr Leben in ihren neuen Familien bereits begonnen. Leider war es mir nicht vergönnt, die drei Wirbelwinde in Aktion zu erleben. Die Erzählungen der Betreuerin lassen aber darauf schließen, dass die Bande wirklich nichts ausgelassen und die Pflegestation aufs Frechste aufgemischt hat.


Auf der Suche

Mit der Nostalgie ist das so eine Sache. Auf Wikipedia heißt es, dass sie "eine sehnsuchtsvolle Hinwendung zu vergangenen Gegenständen oder Praktiken" ist. Die ungarische Vergangenheit ist definitiv Geschichte und ich könnte schwören, dass die drei Terrier so gar keine Sehnsucht danach haben. So eine Reise in die Vergangenheit hat aber nicht nur erinnernde Funktion, sondern wirft immer neue Fragen auf. Und während ich mir die alten Fotos aus unseren letzten beiden Jahren ansehe, regt sich meine Neugier. Was wohl aus Mimis beiden Geschwistern geworden ist? Wo sind Bogart und Rupert heute? Sehen sie so aus wie mein Potpourri-Terrier-Mädel? Ob die beiden wohl auch ihre Besonderheiten haben? Sind sie genauso brav und geduldig wie meine Süße? Waren sie in der Hundeschule? Machen sie vielleicht sogar Hundesport?

Rupert


Bogart


Haben sie verborgene Talente oder besondere Charaktereigenschaften, die ich auch in Mimi sehe? Wie viel Einfluss haben Menschen und Erziehung auf das Verhalten des Hundes und - viel interessanter - was haben die drei Potpourri-Terrier in den (gemeinsamen) Genen?


Filou & Bogie

Ein Gentleman in Vollendung: Filou
Bei meinen Recherchen im Internet werde ich rasch fündig, denn die neuen Halter haben fleißig Berichte auf der Seite von Animal Care Austria veröffentlicht. Rupert hat einen hübschen Namen bekommen: Seine Familie ruft ihn nun Filou. Die Fotos vom kleinen Mann sehen wundervoll aus: viel Grün, lachende Menschen. Was kann Hund sich mehr wünschen? Und wie Mimi scheint er sehr darum bemüht zu sein, seinen Menschen zu gefallen. Die Lobeshymne seines neuen Frauchens bringt mich zum Schmunzeln, da sie wie meine eigenen Worte klingen. 

Ein kleiner Sandfloh: Bogie
Auch von Bogie gibt es einiges zu lesen. Nicht nur einen, sondern gleich zwei Berichte hat die Halterin an Animal Care Austria übermittelt. Er scheint viele Sozialkontakte zu pflegen, hat im Sommerurlaub seine Pfoten zum ersten Mal in den Sand gegraben und - Tusch! - er kann schwimmen. Das überrascht mich wirklich, denn Mimi macht diesbezüglich überhaupt keine Anstalten. Das höchste der Gefühle ist ein kurzes Fußbad im Bach, aber wenn die gruseligen Wellen des Wörthersees auf sie zuschwappen, nimmt mein Hundemädel sofort Reißaus.


Kontaktaufnahme - ein Versuch

Die Gemeinsamkeiten und Unterschiede, die ich aus den Zeilen zu lesen vermeine, lassen mich noch einen Schritt weitergehen. Auch auf die Gefahr hin, dass die beiden Damen mich für völlig verrückt halten, schreibe ich sie an. In Zeiten von Facebook und Co. ist es ein leichtes, die Kontaktdaten zu eruieren und rasch sind ein paar Zeilen verfasst. Nun heißt es "Abwarten und Tee trinken". Ich bin wirklich gespannt, ob und wie Mimis Verwandtschaft auf den Versuch der Kontaktaufnahme reagieren wird.