Dass Klein-Mimi das Zeug zum Testimonial hat, konnte sie im Vorjahr bereits lebhaft unter Beweis stellen. Klar, sie ist nicht "Uggie" aus
The Artist, aber 1.210 Aufrufe eines Online-Videos sprechen doch für sich, oder? Weil aber der unreflektierte Besitzerstolz das objektive Urteil oft trügt, könnt ihr euch unter
https://www.facebook.com/hundegefaehrte/videos/897508333663818/ selbst ein Bild vom "schauspielerischen Talent" meiner Potpourri-Terrieristin machen.
Als
Markus Burkhardt, Inhaber von "K9 Suchhunde Kärnten", in den sozialen Medien zum Casting für die Produktion eines Werbevideos aufrief, war unser (naja, eigentlich eher mein) Interesse geweckt. Ein richtiges, echtes Casting? Und als Goddie winkt ein professionelles Hundeportrait von Neo-Fotografin
Solveigh Kregar? Da kann ich einfach nicht nein sagen. Also rasch über
http://kaernten.mantrailing-k9.com/ angemeldet, die Sedcard ausgedruckt, ausgefüllt und nun konnte uns nichts mehr aufhalten - zuerst Klagenfurt, dann Kärnten, Österreich, Hollywood und zum Schluss die ganze Welt...
Der große Tag
Überpünktlich, wie es so meine Art ist, kommen Mimi und ich am Gebäude der
Grandur Filmproduktions GmbH an. Zeit genug, um noch einmal auszutreten und sich auf den großen Auftritt vorzubereiten. Doch dann ist alles anders, als ich mir das vorgestellt habe...
 |
| Gute Laune im Studio |
Es ist beinahe so, als hätte irgendjemand - vielleicht eine fremde Macht oder die Heinzelmännchen? - meine kleine Hundedame gegen eine aufdringliche, hysterisch fiepende Doppelgängerin ausgetauscht. Mimi zeigt sich von einer Seite, die ich noch NIE (!!!) an ihr gesehen habe. Sie regt sich derart auf, dass ihr die Zunge bis zum Boden hängt, rennt hektisch von einer Person zur nächsten, bettelt unverschämt um Essensreste und - großes Finale - lässt gegenüber Diego, einem wunderschönen, weißen Schäferhund, die Terror-Kampfmaschine raushängen. Der süße Kerl, eigentlich bloß an einer Intensivierung des Kennenlernens interessiert, erhält eine böse Abreibung - und das nur, weil er Madame den Hof machen will.
Das Casting bringt eine bisher unbekannte Seite meiner Hündin ans Licht. Da ich sie weder beruhigen kann, noch dazu in der Lage bin, einen Befehl durchzusetzen, mache ich das, was mir in diesem Moment am stimmigsten erscheint: Ich lasse sie von der Leine. Daraufhin erkundet Mimi kurzerhand auf eigene Pfote das Gelände.
 |
| Mimi mit Markus Burkhardt (c) swb photo |
Während ich mich im Aufenthaltsraum mit den anwesenden Damen und Hundebesitzerinnen über Kärnten, die Zukunft und unsere Perspektiven unterhalte, ist Mimi am "Netzwerken". Ohne, dass ich davon etwas bemerke, schleimt sie sich fröhlich bei allen anwesenden Professionisten ein. Wie ich davon erfahre? Über die sozialen Medien - da finde ich nämlich am Nachmittag Fotobeweise davon, was Mimi so getan hat: durchs Studio hüpfen und mit K9-Chef Burkhardt posen zum Beispiel.
It's your turn...
Als wir dann offiziell an der Reihe sind - also Hundeführer und Hund - ist die Sache ganz schnell gegessen. Einmal hinknien, Mimi um mich herumführen, noch einmal in die andere Richtung. In die Fotokamera schauen, in die Videokamera schauen und fertig. Klingt nicht so, als wäre es optimal für uns gelaufen, oder?
Wir packen also unsere Sachen und treten die Heimreise an. Ich bin ein wenig enttäuscht - wir konnten in der Kürze gar keine Tricks zeigen und Mimi hätte wirklich so einiges auf dem Kasten. Aber wie formulierte es Samuel Beckett so schön:
"Ever tried. Ever failed. No Matter. Try again. Fail again. Fail better."
Unser Fazit
Ich habe aus diesen Stunden am Set einiges gelernt:
1) Kamera, Licht, Studioatmosphäre, unbekannter Untergrund,... das alles ist für mein Terrier-Mädel gar kein Problem.
2) Allerdings war sie völlig damit überfordert, alle Menschen zu begrüßen, anzubetteln und neue Kontakte zu knüpfen.
3) Mimi ist doch nicht das Unschuldslämmchen, das sie immer zu sein vorgibt. Ihr "Verbeißen" des armen Diego war eine unbekannte Facette, die ich noch nicht gekannt habe.
4) Mimis Bindung zu mir ist nicht sonderlich stark ausgeprägt.
Alles in allem ein lehrreicher Tag, auch wenn ich mir das irgendwie ganz anders vorgestellt habe.