Seien wir ehrlich: Tierärzten, denen muss man blind vertrauen können. Längst ist es nicht mehr nur die fachliche Kompetenz, die wir uns vom Veterinärmediziner erwarten. Vielmehr muss auch das zwischenmenschliche "Feeling" einfach stimmen.
Vogelkundiger Tierarzt für den Hund?
Als engagierte Vogelhalterin bin ich ein besonders kritischer (um nicht zu sagen: unsympathischer) Fall. Nachdem Mönchsittich "Lumpi" bei mir eingezogen war, habe ich mich lange und intensiv mit den Anforderungen an den "perfekten" Tierarzt beschäftigt.
Warum mir das so wichtig ist? Viele Tierärzte in meiner näheren Umgebung sind auf die Behandlung von Kleintieren spezialisiert. Zu ihren gängigen Kunden zählen also Hunde, Katzen und Co. Mit Sittichen oder Papageien haben die wenigsten zu tun. Bevor "Lumpi" also seinen ersten Tierarztbesuch absolviert hatte, habe ich viel Zeit damit verbracht, mich durch das Telefonbuch zu wählen, um einen Tierarzt zu finden, der sich a) auf die Behandlung von Vögeln spezialisiert hat und bei dem b) die gefiederten Kollegen zu regelmäßig Patienten in der Ordination zählen. Keine einfache Aufgabe, aber ich wurde fündig!
Im April 2015 schlug ich das erste Mal in der
Tierarztpraxis Völkendorf auf. Im Gebäck: zwei schwer atmende Mönchsittiche und eine fröhliche Mimi. Ganz ehrlich? Ich war noch nie von einem Tierarzt so begeistert! Dr. Jean Meyer ist es in kürzester Zeit gelungen, mir Kompetenz zu vermitteln und mein Vertrauen zu gewinnen. Lumpi war am Tag seiner Erstuntersuchung wirklich schlecht drauf und glaubt mir: ein grantelnder Mönchsittich ist wirklich das Letzte. Bissig und bösartig präsentierte er sich von seiner schlechtesten Seite und trotzdem erhielt er eine liebevolle Betreuung. Dr. Meyer nahm mich und meine Frageliste ernst und ließ sich viel Zeit, mir Rede und Antwort zu stehen. Kurzum: ich fühlte mich bestens aufgehoben und hatte meinen "idealen Tierarzt" gefunden.
Herbstbesuch beim Tierarzt
Nachdem es in den letzten Tagen empfindlich kalt geworden ist, muss auch ich mir eingestehen: der Sommer ist endgültig vorbei. Und weil Routineuntersuchungen wichtig sind, wurde ich heute erneut mit Mimi in der Praxis vorstellig (diesmal allerdings ohne die Pieper). Telefonisch hatte ich einen Termin vereinbart und wurde an Frau Dr. Margit Melcher verwiesen. Was bitte? Warum nicht den Herrn Doktor? Mensch, ich mag keine Veränderungen. Und schon gar keinen neuen Arzt. Ich bin doch mit ihm so glücklich und zufrieden. Aber ich beschloss, der Frau Doktor eine faire Chance zu geben. ;)
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| Dr. Margit Melcher |
Tatsächlich war Dr. Melcher genauso freundlich, geduldig und kompetent wie ihr Ehemann. Ich hatte - wie das bei mir so üblich ist - einen kleinen Fragekatalog vorbereitet. Punkte auf meiner Liste:
- Zähne, Mundgeruch und Zahnfleischbluten
- Krallen und Krallenabnutzung
- Ohren und darin befindliche Hundehaare
- temporäres Humpeln hinten links
Fazit: Dr. Melcher hat alle möglichen und unmöglichen Fragen meiner Checkliste beantwortet, Klein-Mimi sicher-kompetent untersucht und uns einiges mit auf den Weg gegeben. Ihr seht mich begeistert!
Was für ein eigenartiger Hund...
Während Dr. Melcher für Kompetenz sorgte, war Mimi für den Spaß verantwortlich. Nach der Untersuchung ihrer Läufe durfte die kleine Maus wieder vom Behandlungstisch und begann sofort, das Behandlungszimmer genauestens zu untersuchen. In Windeseile hatte ihre empfindliche Potpourri-Terrier-Nase das Glas mit den Leckerlis entdeckt. Also wurde direkt vor dem Objekt der Begierde Stellung bezogen - mein Gott, wie peinlich...
Statt wie viele ihrer Artgenossen Angst vor dem Tierarzt zu haben, ist Mimi eher das Modell "Hungrig". Dass sie für Futter alles tut, zeigte sich wenige Minuten später. Wie selbstverständlich folgte sie der Frau Doktor bei Fuß, ließ sich problemlos und ohne Körperkontakt auf die Waage manövrieren. So, als würden wir tagaus, tagein nichts anderes üben.
Das Highlight des Tages lieferte Mimi aber beim Thema "Wurmkur". Netterweise bot mir die Tierärztin an, mir bei der Gabe der Wurmtablette behilflich zu sein. Sehr selbstbewusst (vielleicht ein klein wenig zu selbstbewusst...) erklärte ich ihr, dass Mimi die Tablette pur fressen würde. Ein skeptischer Blick, dann hält die Tierärztin meiner Hundedame die Tablette vor die Nase. Und siehe da: Mimi inhaliert das bittere Ding, als wäre es eine wahre Köstlichkeit. Irre, oder?
Ich habe wohl den eigenartigsten Hund der Welt. Sie geht gerne zum Tierarzt: schon weit vor der Eingangstür freut sie sich und zieht fröhlich drauf los. In der Praxis kann sie es gar nicht erwarten, von allen anwesenden Menschen - Tierarzt und Arzthelferinnen inklusive - gestreichelt zu werden. Wenn nichts interessantes passiert, untersucht sie ohne Angst das Ordinationszimmer. Auf dem Behandlungstisch zu warten, findet sie nicht schlimm und sie lässt jede Manipulation ohne zu zwinkern über sich ergehen. Wie ein Profi geht sie auf die Waage und als "Zuckerl" frisst sie die Wurmtabletten pur.
Was habe ich für ein Glück mit dem Hundemädel...
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| Gut geschützt und gesund in den Herbst! |
P.S.: Übrigens: alles in bester Ordnung! Mimi ist gesund und munter, die Wurmkur für das kommende Halbjahr ist geschluckt und sie hat - so die Tierärztin - eine gute Figur. Das hören "frau" und "hund" natürlich gerne. :)