Dienstag, 18. August 2015

Einsamkeit ist doof!

Der Hund ist ein Rudeltier. Da ist es nur verständlich, dass der Vierbeiner im stetigen/ständigen Kontakt mit seiner Meute bleiben möchte. An das Alleinsein, an die Einsamkeit muss man sich also langsam und Schritt für Schritt gewöhnen. Häufig - so lehren uns Internet und Fernsehprogramm - sind Trennungsängste anerzogen, der Halter ist also daran schuld, wenn der Fellträger nicht alleine zu Hause bleiben kann. 

Als ich Mimi zu mir genommen habe, war mir von Beginn an klar, dass ich in diesem Punkt sehr konsequent sein würde müssen. Denn Einsamkeit ist - so meinen zumindest die Profis - besonders für Tiere schwierig, die mit dem Alleinsein negative Erfahrungen gemacht haben. Wie beispielsweise Tierheimhunde. Und damit mein Exemplar keine Trennungsängste entwickeln konnte, habe ich mich wirklich bemüht, alles richtig zu machen.

Strenges Lehrjahr

Natürlich kenne ich jede Folge vom Hundeprofi Martin Rütter. Und natürlich habe ich von Anfang an seine Tipps und Tricks befolgt: Mimi wird nie - wirklich nie! - von mir begrüßt. Sie erhält kein Leckerli, wenn sie mal ein paar Minuten oder Stunden alleine bleiben muss. Sie bekommt auch keine Aufmerksamkeit, wenn sie mich stößt und stupst. Alles wie im Lehrbuch. Dazu kommt, dass Mimi eine einjährige Ausbildung als Bürohund absolviert hat. Und in dieser Zeit habe ich strenge Regeln aufgestellt, die vom Potpourri-Terrier unbedingt eingehalten werden mussten. Zu groß waren meine Existenzängste, ein Fehlverhalten ihrerseits war das Schlimmste, was ich mir vorstellen konnte. Nicht auszudenken, wenn ich meinen Job verlieren würde, bloß weil mein Hund sich nicht an die Vorschriften halten kann. Ich war also vom ersten Tag an äußerst streng und überaus konsequent. Dieses Verhalten hat dementsprechende Früchte getragen und zwar von Anfang an. Mimi weiß zum Beispiel, dass sie keine Besucher begrüßen darf. Nicht einmal, wenn sie vom Bürobesuch mit Köstlichkeiten gelockt wird, hat sie ihr Hundekörbchen verlassen. Ihr ist bewusst, dass sie die Schwelle ins bzw. aus dem Büro nicht übertreten darf. Sie bellt nicht, wenn am Fenster Mensch oder/und Hund vorbeigehen, kläfft nicht, wenn das Telefon klingelt und ist alles in allem ein rundum perfekter Angestellter. Lediglich in der Mittagspause möchte sie beschäftigt, bespaßt und ausgeführt werden - bei einem langen Arbeitstag durchaus verständlich.

Bürohund Mimi. Als Alleinbleiben gar kein Problem war...


Mieser Status Quo

So weit, so perfekt. Doch im letzten halben Jahr haben wir uns ein klein wenig gehen lassen. Mimi und ich kleben viel aufeinander, sind kaum getrennt. Der längste Zeitraum, den die Kleine ohne mich verbringen muss, ist die halbe Stunde, in der ich zum Einkaufen unterwegs bin. Als ich heute überraschend für eine unbestimmte Dauer außer Haus musste, habe ich kurzerhand meine Kamera aufgestellt. Ich gebe zu: ich war neugierig, wie sich die kleine Madame ohne mich schlägt. Entstanden ist ein kurzes Video, in dem zu sehen ist, was passiert, wenn Mimi allein zu Haus' ist. 


Das Ergebnis war dann doch überraschend. Ich habe damit gerechnet, dass sie ein klein wenig fiept, aber ich war überzeugt, dass sie sich nach wenigen Minuten relativ entspannt in die Sonne legen würde. Das Video spricht eine andere Sprache. Nach dem ersten Schock - Hat die mich wirklich alleine gelassen? - folgt der Versuch, sich am Balkon einen Überblick zu verschaffen. Die Strategie kann natürlich nicht aufgehen, da die Türe zum Balkon verschlossen ist, wenn ich nicht zu Hause bin. 

Mimale, das Wimmale...

Was mich am Videobeweis aber am meisten schockiert/ärgert/verunsichert, ist das Gewimmere und Gejammere im Vorraum. Denkt man an die Kandidaten beim Hundeprofi, so scheint Mimi eine Ausgeburt an Entspannung. Aber seien wir mal ganz ehrlich: ein entspannter Hund sieht anders aus, oder etwa nicht? Auch wenn ihr das vielleicht übertrieben findet, doch das Verhalten muss ich ändern. 

Eyk von Teurnia
Meine Grundhaltung zu dem Thema hat etwas mit meinem ersten Hund zu tun. Eyk von Teurnia war ein wundervoller, nahezu idealer Beagle. Charakterstark und ungeheuer liebenswert. Er hatte nur einen schlimmen Tick, mit dem er die gesamte Familie in den Wahnsinn treiben wollte: er konnte keine Minute alleine bleiben. In seiner Panik, vom Rudel getrennt zu sein, hat er sich derart hochgeschaukelt, dass sein ganzer Hundekörper am Zittern und Beben war. Ihn ohne Sorgen alleine zu lassen, war nahezu unmöglich. Ich wollte bei Mimi anfangs vieles überkorrekt machen. Heute sehe ich das ein klein wenig entspannter. Viele Verhaltensweisen sind mir nicht wichtig und ich finde, dass Hund Hund sein sollen darf. Aber Alleinbleiben muss unbedingt sein! 

Jetzt gilt es, einen Trainingsplan auszuarbeiten und dann kann das Üben beginnen. Wenn ich an die Martin-Rütter-Folgen denke, wird mir schlecht. Mit Grauen erinnere ich mich an die armen Halter, die täglich 50-mal die Wohnung verlassen mussten. Aber wenn wir nicht in einer kommenden Folge des "Hundeprofis" enden wollen, müssen wir wohl fleißig daran arbeiten.

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